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About Beauty

Lea Fuchs beauty concept 

The concept of beauty has a rich philosophical tradition and the definition of beauty is one of the central questions of aesthetics.

Lea Fuchs considers "beauty" as a culturally variable and as a gender-politic applied term. The essence, the nature of beauty is subordinated to its function, so to the "why is beauty needed”?

The demand for beauty is a widespread suppression toward women. In the sense of the “Zeitgeist” of contemporary society beauty is a mean of oppression of female emancipation.

Please read the comprehensive explanation in the text in German language below.

Der Begriff der Schönheit hat eine reiche philosophische – ästhetische Tradition und die Bestimmung was die Schönheit sei, ist eine der zentralen Fragestellungen der Ästhetik. Es gibt unzählige Publikationen zu den verschiedensten Aspekten des Schönheitsbegriffes, wobei ich hier das Subjekt im weiteren Sinne verstehe:

 

  • Schönheit als Attraktivität

Die Attraktivitätsforschung befasst sich mit der wissenschaftlichen Erforschung und Erklärung der menschlichen Schönheit und damit verbundene Partnerwahl. Die Felder umfassen empirische Gesichts- und Körperanalysen und Auswertungen, Hirnforschung, Flirtverhalten. Neurowissenschaftliche Untersuchungen versuchen herauszufinden, was im Gehirn passiert, wenn wir etwas „schön“ finden. Es geht um Fragestellungen wie: Warum sieht das menschliche Gesicht so aus, wie es aussieht? Welche „Signalsprache“ spricht es? Was empfinden wir daran als „schön“ – und warum? Wie bestimmt Schönheit die Partnerwahl?

 

  • Schönheit aus sozialwissenschaftlicher Sicht

Die soziologisch dominierte Analyse der Schönheit behandelt die Fragestellung wie die heutige Gesellschaft den Schönheitswahn bestimmt und unterstützt. Zentrale Stellung nimmt der Schönheitskult. Die jeweils vorherrschenden Körperbilder werden in Bezug zum jeweiligen Zeitgeist gesetzt. Schönheit aus dem Betrachtungswinkel der Evolutionspsychologie / Biologie In diesem Forschungszweig der Schönheit geht es darum das ästhetische Empfinden biologisch zu erklären und um evolutionäre Theorien der sexuellen Selektion. Die kulturelle Bedingtheit des menschlichen Fühlens und Verhaltens wird nicht berücksichtigt.

 

  • Schönheit in der Kultur- und Kunstgeschichte

Im Mittelpunkt hier ist der Wandel des ästhetischen Verständnisses durch die Jahrhunderte, der sich in der künstlerischen Darstellung des menschlichen Körpers genauso niederschlägt wie in Literatur, Architektur und Philosophie. Es gibt zahlreiche Werke, welche Einblick in den Schönheitsauffassungen der verschiedenen Epochen gewähren. Führend in diesem Gebiet ist Umberto Eco mit den Werken ‚Geschichte der Schönheit‘ und ‚Geschichte der Hässlichkeit‘.

 

  • Schönheit in der Philosophie

Mit den Theorien des Schönen beschäftigt sich innerhalb der Philosophie die Ästhetik. Der Begriff (griechisch für sinnliche Wahrnehmung) wurde erstmals im XVIII Jahrhundert von Alexander Gottlieb Baumgarten im Rahmen einer philosophischen Abhandlung verwendet. Ästhetik ist keine geschlossene philosophische Disziplin, da es unterschiedliche Auffassungen gibt, welche Gegenstandsbereiche sie einschließt. Drei zentrale Fragestellungen mit der sich die Ästhetik beschäftigt sindi:

1) Was ist das Schöne?

2) Wann ist ein Werk ein Kunstwerk? Was ist Kunst?

3) Welche Erlebnisse sind können als ästhetisch definiert werden?

 

 

  • Schönheit und Psychologie

In diesem Gebiet sind Fragestellungen wie, welche Rolle das Äußere bei der Beurteilung des Inneren spielt, im Vorfeld. Was ist schön, das heißt: Welche Merkmale tragen zur Schönheit bei? Es um die Signale, die unser Gesicht sendet, und wie wir sie empfangen und decodieren. Das Gesicht ist -- aus psychologischer Sicht - der mit Abstand wichtigste Teil des menschlichen Körpers und die reichhaltigste Quelle, die uns Informationen zu nahezu allen Bereichen der menschlichen Persönlichkeit liefert. Weiterer Schwerpunkt ist die Erforschung des Einflusses der anderen Persönlichkeitsmerkmale wie Körper, Haare etc. auf die Schönheitswahrnehmung.

 

Ich betrachte „Schönheit“ als ein kulturell veränderlicher und geschlechterpolitisch eingesetzter Begriff. Es geht bei meiner Definition weniger um das Wesen als um die Funktion der Schönheit, also nach dem „ Warum“ der Schönen.

Meine Hypothese lautet, dass die Forderung zur Schönheit ein weitverbreitetes Unterdrückungsmittel gegenüber der Frau ist. Im Sinne des Zeitgeistes der heutigen Gesellschaft ist Schönheit ein Mittel zur Unterdrückung der weiblichen Emanzipation geworden.

 

Im Folgenden werde ich die Schönheitsdefinitionen bei Platon und bei Kant erläutern, um ein besseres Verständnis für meine Hypothesen herzustellen. Ich betrachte diese zwei Philosophen und deren Definitionen der Schönen als die Basis für alle existierenden Schönheitstheorien in der westlichen Welt. Im nächsten Punkt werden dann diese mit den Subjekt – Objektbeziehungen in Verbindung gebracht, um anschließend zu zeigen, dass die Annahme, dass Schönheit eine geschlechterpolitische Funktion und Bedeutung hat und diese seit Jahrtausenden gültig ist und weiterhin in der heutigen Gesellschaft wirkt.

 

Bedeutungen der Schönheit bei Platon

An dieser Stelle sei erst einmal etwas über den griechischen Schönheitsbegriff vor Platon vorausgeschickt. Das Adjektiv „kalos“, also schön, bezog sich nicht nur auf die Sinnesorgane, besonders Auge und Ohr, angenehme Dinge und Körper. „Schön“ nannte etwa Homer auch nützliche Gebrauchsgegenstände oder auch wohlgefällige menschliche Handlungen. Man kann sagen, dass dieses Attribut seine Bedeutung erweiterte und verschob: vom ästhetisch Gefälligen über das Nützliche, das Schickliche bis hin zum moralisch Guten. In modernem Griechisch bedeutet „kalos“ inzwischen nur noch „gut“.

 

Bei Platon kann man drei Phasen der Beschäftigung mit dem Schönheitsbegriff unterscheiden, die in den untergenannten Dialogen diskutiert werden:

a) die dialektisch-aporetische Phase (Dialog Hippia Maior) – diese Phase kann man mit der Frage: Wann ist Schönheit, also mit den verschiedenen Definitionen, Zusammenhängen und Bestimmungen.

b) die erotisch-ideentheoretische Phase (Dialoge Phaidros, Symposion) – diese Frage bestimmt das Wesen des Schönen als Begierde, also hier wird Antwort auf die Frage gegeben – Was ist das Wesen der Schönheit?

c) die geometrisch-harmonische Phase (Dialoge Philebos, Timaios) – in diesem Dialog wird die Frage nach dem Wie etwas als schön definiert wird, also es werden die Eigenschaften und die Relationen bestimmt.

 

Dialektische Phase

In dem Dialog „Hippias Major“ diskutiert der platonische Sokrates mit Hippias über die Frage „Was ist Schönheit?“

Platon hat in dem Hippias- Dialog einerseits die verschiedenen Begriffe des Schönen alle durchdekliniert, und ihre Relativität und Einseitigkeit bewiesen. Nicht ein bestimmter Mensch, ein bestimmtes Material oder ein bestimmtes Lebenslos gibt das Inbild des Schönen – das Schöne hat vielmehr mit zahlreichen Relationen zu tun. Es muss dem jeweiligen Gegenstand angemessen sein und in Beziehung zum Guten stehen. Man könnte von einem auf Harmonie gehenden relationalen Schönheitsbegriff mit ethischen Aspekten sprechen. Schließlich merken wir, dass Schönes nie etwas Isoliertes ist. Es geht um einen ganzheitlichen Gesamtzusammenhang. Vielleicht, so könnte, man spekulieren ist das Schöne das durch die Sinne vermittelte Gute.

 

Erotisch-ideentheoretische

Phase In Platons „Symposion“ geht es um den Wettstreit, wer die schönste Rede auf den Eros, die Liebe bzw. den Liebesgott, hält. Und unter Eros wird verstanden eben das Streben nach dem Schönen. Im ‚Symposion‘ definiert Platon unter anderen das Schöne als weiblich, das Weibliche als das Begehrte. Hier treffen sich erstmals die Diskurse vom Schönen und Geschlecht:

1. Liebe ist nicht denkbar ohne ihr Objekt, das Begehrte.

2. Man liebt, man begehrt nur das, woran man Mangel hat (der Dicke begehrt schlank zu sein und nicht der Dünne). Und so verhält es sich auch mit Eros: Er begehrt, das was ihm mangelt.

3. Da Eros das Schöne und Gute begehrt, kann er es selbst nicht sei. Das habe ihm, Sokrates, Diotima, eine Priesterin aus Mantineia, gelehrt.

Im ‚Symposion‘ erklärt Diotima Sokrates, dass unsere Natur nur im Schönen und nicht im Hässlichen erzeugen kann. Des Mannes und Weibes Gemeinschaft ist nämlich die Erzeugung. Es ist aber dies eine göttliche Sache und in dem sterblichen Lebenden etwas Unsterbliches, die Empfängnis und die Erzeugung.

In dem Unangemessenen aber kann dies unmöglich erfolgen; und unangemessen ist das Hässliche allem Göttlichen, das Schöne aber angemessen. Eine einführende und geburtshelfende Göttin also ist die Schönheit für die Erzeugung‘ii. Schönheit wird hier im Symposion nicht direkt definiert, doch wird sie in einen wesentlichen Zusammenhang gebracht, mit Eros, der Liebe, dem Streben des Menschen, mit den Ideen, den geistigen Wesenheiten, als höchsten Zielen menschlichen Strebens und Sehnens – und schließlich mit der höchsten aller Ideen: der Idee des Guten, durch die alles was gut ist, erst gut wird.

Das Schöne als großer erotischer Seelenführer zu himmlischen Höhen – dies hören wir auch in Platons Dialog „Phaidros“, welcher über die Seele handelt. Die Götter hätten nun der menschlichen Seele verschiedenen Arten eines heilsamen Wahnsinns, einer rauschhafter Begeisterung geschenktiii. Eine davon sei die Liebe als Streben nach der Schönheit. Der Verliebte sei nun von jenem göttlichen Wahnsinn ergriffen, der ihn beim Anblick der irdischen Schönheit sich an die wahre, himmlische, rein geistige Schönheit erinnern lässt.

 

Geometrisch-harmonische Phase

Eine eher nüchtern-analytische Antwort, worin die Schönheit denn besteht, was die Eigenschaften, Relationen und Komponenten sind, die etwas Seiendes zu einem Schönen machen, gibt Platon schließlich in Spätwerken wie „Timaios“ oder „Philebos“. Schönheit habe demnach mit geometrischen Verhältnissen, harmonischen Maßen und Proportionen zu tun.

Entscheidende Voraussetzungen des Schönen sind die Proportionen und die harmonischen Maße. Und auch hier in seiner geometrischen Phase bleibt Platon treu seiner letztlich einheitlichen Trias des Wahren, Guten, Schönen. In seiner Ordnung alles Seienden stehen an oberster Stelle diese drei Ideen, denen er als einzigen ein wirklich eigenständiges Dasein einräumt. Baut ein Handwerker einen Tisch, so ist dieser ein nur schemenhaftes Abbild der Idee des Tisches schlechthin. Malt ein Künstler einen Tisch, so ist das Ergebnis seines Schaffens das Abbild eines Abbildes, der Schatten eines Schattens. Der Wert der Kunst kann nach Platon nur darin bestehen, durch die privilegierte Darstellung des Guten erzieherisch zu wirkeniv. Das sinnlich Schöne ist nur bedeutsam, wenn es sich bedingungslos dem Guten unterordnet.

 

Bedeutungen der Schönheit bei Kant

Gegen die im XVIII. Jahrhundert herrschende Anschauung der Philosophen, die Erkenntnis des Objekts führe zum Zugang zu Wahrheit und Wirklichkeit, befindet Kant, dass es umgekehrt sei, und Wahrheit und Wirklichkeit vom erkennenden Subjekt abhingen.

Kants Theorie des Geschmacksurteils versucht ebenfalls, wenn schon nicht die Objektivität des ästhetischen Urteils, so doch wenigstens die intersubjektive Übereinstimmung zu retten. Allerdings setzt er sozusagen am anderen Ende an, also nicht bei den beurteilten Gegenständen, sondern bei dem jeweils Urteilenden. Ohne die Beteiligung des Gefühls abstreiten zu wollen argumentiert er, die Lust am Schönen beruhe wesentlich auf den Fähigkeiten, die jedem vernünftigen Menschen zu eigen sein müssen, damit er als solcher angesehen werden kann. „Schönheit ist kein Begriff vom Objekt und das Geschmacksurteil ist kein Erkenntnisurteil. …Eben darum darf auch der mit Geschmack Urteilende (wenn er nur in diesem Bewusstsein nicht irrt, und nicht die Materie für die Form, Reiz für die Schönheit nimmt) die subjektive Zweckmäßigkeit, d. i. sein Wohlgefallen am Objekte jedem anderen Ansinnen, und sein Gefühl als allgemein mitteilbar“ v. Schönheit ist nach Kant ebenso wenig eine objektive Eigenschaft der Gegenstände unserer Umgebung, wie es allgemeingültige und objektive Kriterien für die Zuschreibung von Schönheit gibt.

Wenn wir ein Geschmacksurteil fällen, so ist die tatsächliche Existenz des Objektes für das Urteil uninteressant. Ein interessengeleitetes Wohlgefallen würde bedeuten, dass das Objekt Gegenstand des Begehrungsvermögens ist. Ein Begehren würde aber das Geschmacksurteil verfälschen. Das Wohlgefallen oder Missfallen, das unser Geschmacksurteil bestimmt, ist ohne jegliches Interesse zu denken. Für Kant können die Objekte der Begierde nicht als schön bezeichnet werden, da das Interesse an einem Objekt das Geschmacksurteil verfälscht.

Er meint damit, dass wir zwar individuellen Schönheitsgeschmack entwickeln, dieser aber vom Zeitgeist beherrscht wirdvi. Sie ist nicht mehr Glanz der Wahrheit, sondern Ausdruck für das künstlich Erzeugte.

Auch das Wohlgefallen am Guten ist mit Interesse verbunden. Kant unterscheidet dabei: Etwas, das nur als Mittel gefällt, das Nützliche (wozu gut), und etwas, was für sich selbst gefällt (an sich gut). Das Gute gehört in den Begriffszusammenhang des Handelns. Es beinhaltet stets einen Zweck, das heißt, ein Verhältnis von Vernunft und Wollen, hat ein Wohlgefallen am Dasein des Objektes oder der Handlung und somit ein Interesse.

Jedes Interesse setzt ein Bedürfnis voraus oder bringt es mit sich. Daher haben das Angenehme und das Gute eine Beziehung auf das Begehrungsvermögen. Einzig der Geschmack am Schönen ist somit ein uninteressiertes und freies Wohlgefallen. Den Gegenstand eines solchen Wohlgefallens nennt Kant ‚schön‘.

Da die „kognitive Normalausstattung“ jedes zurechnungsfähigen Menschen die maßgebliche Grundlage für ästhetisches Empfinden sei, folge mithin, dass wir unser subjektives ästhetisches Urteil jedem anderen zu Recht ansinnen können – auch wenn es nicht weiter deduktiv beweisbar sei

Kant unterscheidet zwei Arten von Schönheit: die freie Schönheit und die bloß anhängende Schönheitvii. Alle anhängende Schönheit hat einen Zweck, einen Begriff und eine erwartete Vollkommenheit. Letztere setzt einen Begriff voraus und fordert die Vollkommenheit des Objektes nach diesem Begriff. Sie ist mit einem Zweck behaftet (also kein reines Geschmacksurteil). Bei der freien Schönheit wird kein Begriff vorausgesetzt, sie ist nicht mit einem Zweck behaftet (also ein reines Geschmacksurteil). Ein Objekt habe eine anhängende Schönheit, wenn es als Exemplar einer Gattung schön ist, wenn es also die Kriterien erfüllt, die speziell für die Schönheit von Dingen dieser Art notwendig sind (z.B. eine schöne Frau).

Alle anhängende Schönheit hat einen Zweck, einen Begriff und eine erwartete Vollkommenheit.

In der Beurteilung der bloß anhängenden Schönheit weisen die Beispiele Kants darauf hin, dass sich soziale Funktionen, Rollen, Verhaltensweisen und Sitten nicht ausblenden lassen: Von der Frau als „Schöne“ werden bestimmte Züge erwartet, sie muss den Sitten und Vorstellungen ihrer Zeit entsprechen und sich den Modeströmungen fügen. Schon hier sehen wir klar, dass die „Schönheit“ der Frau als ein Mittel dient, sie als Objekt und nicht als ein eigenständiges Subjekt zu behandeln. Der Mann will die Frau als Objekt - sie macht sich zum Objekt. Sie soll nichts sein als sein dargebotenes Ding, eine Beuteviii.

 

Objekt-Subjekt Beziehung und die Schöne

Der Diskurs über die Schöne kann nicht losgetrennt von dem jeweiligen Zeitgeist und die damit zusammenhängenden Beziehungen zwischen Objekt und Subjekt betrachtet werden. Bis zum Postmodernen gab es drei verschiedene Konstellationen, die Schönheit und die Objekt-Subjekt Beziehung definieren. Dabei ist allen drei eines gemeinsam: Die Frau als „Schöne“ hat wenig mit dem Verständnis der ‚echten‘ Schönheit in der jeweiligen Epoche gemeinsam.

 

Antike

Das Schöne gehört weder zum Objekt noch zum Subjekt sondern ist eine der drei Ideen – Schöne, Gute, Wahre. Diese strahlt auf alles ein. Wie bei Platon schon gesehen ist die Schönheit oder ‚die Schöne‘ eine Funktion der Begierde. Die Frau ist die Beute des Begehrens!

 

Christentum

Die christlichen Denker, wie Plotin oder Augustinus gehen davon aus, dass das sinnenfällige Schöne nur durch seine Teilhabe an einer höheren geistigen Harmonie schön zu nennen sei. Der ideellen, speziell der göttlichen Sphäre kommt in diesen Theorien das Primat zu. Aber, wie Albertus Magnus beispielsweise explizit ausführt, kommt damit im ästhetischen Urteil kein bloß subjektives Werten zum Ausdruck. Stattdessen verweist es auf die Partizipation der Gegenstände mit der göttlichen Schöpfung; im schönen Ding kommt ein intelligibles Schönes zum Ausdruck. In dem Urteil, der Gegenstand ‚a‘ sei schön, äußert sich somit die Einsicht in einen objektiven Zusammenhang mit den Zwecken des Schöpfers.x Doch die Konsequenzen für die Frau als ‚Schöne‘ sind nicht vorteilhafter als in der Antike. Thomas von Aquin zum Beispiel der Ansicht, dass die Geburt eines Mädchens das Ergebnis unterschiedlicher Defekte seixi. Nur der Mann galt in seinen Augen als vollkommener Vertreter der menschlichen Spezies. Auch die weibliche Seele betrachtete Thomas im Vergleich zur männlichen als minderwertig. Kein Wunder, dass er die Ansicht vertrat, die Frau müsse sich in der Ehe ihrem Gatten unterordnen. Die Unterdrückung der Frau in dieser Epoche war eine totale, da war die Schönheit als zusätzliches Druckmittel nicht notwendig.

 

Moderne

Hume beispielsweise verweist ausdrücklich darauf, dass die Prädikate, die in ästhetischen Urteilen Verwendung finden, immer eine wertende Komponente haben. Bei der Beurteilung des Schönen ist das begleitende Gefühl der subjektiven Lust maßgeblich – ohne dasselbe gäbe es gar keine Schönheit.xii Kant ist maßstäblich für das neue Verständnis der Schönheit der Neuzeit und zwar, dass sie zum Subjekt gehört und nicht zum Objekt. Wie vorher bei den Erläuterungen über Kant schon erwähnt, handelt es sich um die Frau als Schöne um angehängte Schönheit, die nur an Objekten von Subjekten festgestellt wird.

Post -Moderne

Die Schönheit, insbesondere die körperliche ist als der neue Prägestempel des Unterdrückungsmechanismus der Frauen zu interpretieren. Die Massenmedien-Kultur erzeugte den Körper als populärkulturelles Produkt. Gängigen Schlagworten wie Persönlichkeit und Individualität zum Trotz, ist unsere Gesellschaft geprägt durch eine hohe Normierung dessen, wie Frauen auszusehen haben. Die Echtzeitkommunikationsmedien erlauben es kaum, sich gegen die erdrückende Übermacht der vorgegebenen Schönheitsideale zu wehren. Der Schönheitsmainstream gibt die vorherrschenden Ideale vor und wird durch die Echtzeitkommunikation in rasanter Geschwindigkeit in die Gesellschaft transportiert. Das Zeitalter der Barbie-Schönheit ist nicht beendet. Auf die moderne Frau wirken auch die noch tief verankerten Überzeugungen der Vergangenheit wie ein Codex auf.

Immer noch ist Passivität das wesentliche Charakteristikum der „weiblichen” Frau, ein Zug, der sich von den ersten Jahren an in ihr entwickelt. Dabei handelt sich hier um ein von den Erziehern und von der Gesellschaft auferlegtes Schicksalxiii. Bei der Frau besteht von Anfang an ein Konflikt zwischen ihrer autonomen Existenz und ihrem „Anders-sein”. Man bringt ihr bei, dass sie, um zu gefallen, zu gefallen suchen, sich zum Objekt machen muss. Für das junge Mädchen besteht die erotische Transzendenz darin, Beute zu werden, um Beute zu machen. Es wird ein Objekt. Die Gesellschaft selbst verlangt, dass die Frau sich zum erotischen Objekt macht. Das Ziel der Moden, denen sie unterworfen ist, besteht nicht darin, sie als autonomes Individuum hervorzuheben. Es ist ganz im Gegenteil darauf ausgerichtet, sie von ihrer Transzendenz abzuschneiden, um sie dem männlichen Begehren als Beute darzubietenxiv. Da die Frau ein Objekt ist, versteht es sich auch, dass die Art, wie sich schmückt und kleidet, ihren eigentlichen Wert beeinflusst.

 

Bibliografie:

Aslam, Constantin (2006) : Estetik . Paradigmen der Kunst und des Schönen, Nationale Kunstuniversität Bukarest, 2006

De Beauvoir, Simone (2007): Das zweite Geschlecht, 7 Auflage, Rowohlt, Hamburg 2007 Kant, Immanuel bei http:// gutenberg.spiegel.de/buch/3507/48, Kritik der Urteilskraft

Platon (2008), Gesammelte Werke, Bandă 2, 32 Auflage, Verlag Rowohlt, Hamburg 2008

Thomas von Aquin ( 1265-1273 ), Summa theological, http://www.newadvent.org/summa

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